Die Quacksalber von Quedlinburg im Kurztest

2018 konnte sich die Quacksalber von Quedlinburg gegen harte Konkurrenz in Form des hauseigenen Titels Ganz schön Clever (auch Wolfgang Warsch) und Heaven & Ale (Michael Kiesling und Andreas Schmidt) als Kennerspiel des Jahres durchsetzen. Eine Auswahl, die den einen oder anderen zunächst überrascht haben könnte. Wie konnte ein Spiel, das ein vermeintlich so großes Glücks­potential aufweist, den für erfahrene Spieler*innen und Strategen gedachten Preis ergattern? Ganz einfach, in dem es trotzdem ein sehr guter Titel mit taktischer Tiefe ist. Wieso das Spiel die Auszeichnung durchaus verdient hat, zeigt unser Kurztest. Los geht es.

Spieler: 2-4
Dauer: 45 Min.
Alter: 10+
Level: Einsteiger - Kenner
Die Quacksalber von Quedlinburg bieten eine schöne Mischung aus Glück und Strategie mit liebevoller Gestaltung und Kennerspiel des Jahres 2018.

Bag-Building und Push-Your-Luck

Die Quacksalber von Quedlinburg setzt auf einen Spielmechanismus, der auf den Namen Push-Your-Luck oder Press-Your-Luck hört und auch in neueren Spielen immer noch gerne Anwendung findet. Sinngemäß übersetzen kann man den Begriff am besten mit ‘Sein Glück auf die Probe stellen’.

Bild von einem Kessel-Tableau
Hier war viel Glück im Spiel. Erst wenn die Punkteanzahl der Knallerbsen sieben übersteigt, explodiert der Kessel.

In Spielen mit einem solchen Mechanismus wiederholt man eine bestimmte Handlung immer wieder, um eine größere Belohnung zu erhalten. Gleichzeitig steigt allerdings auch das Risiko zu scheitern. Dabei muss man auf der einen Seite Wahrscheinlichkeiten und Risiken berechnen und immer wieder im Auge behalten, auf der anderen Seite kann es sich aber auch auszahlen, seinem Bauchgefühl zu vertrauen, um den größeren Schatz abzustauben – wenn das klappt, ist der Jubel in der Gruppe umso größer – oder zumindest von einer Person. Push-Your-Luck-Spiele ermöglichen es auf spielerische Weise und ohne negative Konsequenzen einfach mal etwas zu “zocken”.

In guter Gesellschaft

Typische Vertreter des Genres sind dabei beispielsweise Clank! A Deck-Building Adventure, bei dem man abwägen muss, wie tief man in einen Dungeon vordringen möchte, während man von einem bissigen Drachen gejagt wird. Ganz unten gibt es nämlich die wertvolleren Artefakte, aber eben auch die größeren Gefahren. Oder Diamant, bei dem man sich immer wieder entscheiden muss, wie lange man in einer Mine bleiben möchte, um Diamanten zu sammeln – bevor sie schlussendlich einstürzt.

In Quacksalber von Quedlinburg ist es die Aufgabe des/der Spielers/Spielerin, den stärksten Trank zu brauen, um dadurch die meisten Punkte zu erhalten. Dafür zieht man immer wieder Zutaten aus einem Beutel, die häufig positive Effekte mit sich bringen, den Kessel aber auch zum Explodieren bringen können. Wann soll man also aufhören, neue Zutaten aus dem Beutel zu ziehen? Eine immer wieder spannende Frage, die den/die eine*n oder andere*n Spieler*in zum Verzweifeln bringen kann. Lieber auf Nummer sicher gehen, aber nicht ganz so viele Punkte erhalten, oder alles riskieren und die Runde mit einem Kanonenschlag beenden?

Komponenten des Spiels im Überblick
Die Quacksalber von Quedlinburg setzt einen größeren Tisch voraus.

Bag-Building ist dabei der Fachbegriff, der für den Spielemechanismus steht, bestimmte Token in einen Beutel zu geben und daraus nach und nach in diesem Fall Zutaten zu ziehen. Im Prinzip ist Bag-Building das gleiche wie Deck-Building (‘Deck-Bau’), nur eben mit Token anstelle von Karten. Als Überbegriff kann man dann auch einfach Pool-Building verwenden. Natürlich darf man während des Ziehens nicht in den Beutel sehen und weiß somit nie, was als Nächstes kommt – ein Krähenschädel oder doch eine Knallerbse?

Spiel­mechanismus im Detail

Zum Glück erlaubt es das Spiel, jede Runde neue, bessere Zutaten-Chips zu erwerben und mit den bereits verwendeten Token zurück in den Beutel packen, um dann in der nächsten Runde einen noch besseren Cocktail zu mixen. Ganz los wird man dabei unliebsame Plättchen leider nie. Man reduziert allerdings die Wahrscheinlichkeit, diese zu ziehen oder sie wieder zurück in den Beutel legen zu können, wodurch immer potentere Tränke möglich werden.

Frust kommt dabei übrigens eher selten auf. Zwar kann es durchaus einmal vorkommen, dass man unglücklich zieht und den Kessel “mithilfe” von Knallerbsen in luftige Höhen befördert, man erhält allerdings trotzdem eine Belohnung – muss sich allerdings in der zweiten Phase der Runde entscheiden, ob man entweder Siegpunkte erhalten oder neue Zutaten kaufen möchte und darf den nützlichen Bonuswürfel nicht rollen. Außerdem erhalten Spieler*innen, die weit hinten liegen, zum Rundenstart einen kleinen Vorteil beim Brauen der Tränke, was ebenfalls hilft, das Spiel nicht unfair zu gestalten und unerfahrenen oder unglücklichen Tränkebrauern die Möglichkeit gibt, einen Rückstand noch einmal aufzuholen.

Schöne Gestaltung, schönes Material

Als mögliche Verbesserungen stehen allerhand Zutaten parat, die am Ende jeder Runde gekauft und dem eigenen Beutel hinzugefügt werden können. Neben den eher unerwünschten Knallerbsen kommen so Kürbisse, Kreuzspinnen, Krähenschädel, Fliegenpilze, Alraunen, Totenkopffalter und Geisteratem in den Beutel und ermöglichen immer bessere Wundermittel. Vom Kürbis abgesehen bringen die Zutaten nämlich nicht nur mehr Punkte (zwischen eins und vier), sondern bieten auch spezielle Sonderaktionen, die entweder sofort ausgeführt werden müssen – oder am Rundenende Vorteile bringen. Durch geschickten Einsatz dieser Fähigkeiten kann der Spieler den Brauvorgang optimieren, sich vor Explosionen schützen und schlussendlich auch die meisten Siegpunkte erhalten. Auch Strateg*innen kommen hier also auf ihre Kosten, denn zu optimieren gibt es immer viel.

Die Zutatenchips in all ihrer Vielfalt
Die Zutatenchips in all ihrer Vielfalt

Das Spielmaterial selbst ist umfangreich und äußerst liebevoll gestaltet. Insgesamt 219 Zutaten-Chips findet man in der Packung. Dazu gibt es noch vier Kessel-Tableaus, eine Siegpunktleiste, Zutatenbücher, Karten, Beutel, Rubine und einiges mehr. Man merkt, dass hier viel Mühe und Zeit investiert wurde, um das Spiel auch zu einem haptischen und optischen Erlebnis zu machen. Die Liebe zum Detail ist erstaunlich und zeigt sich in vielen kleinen Besonderheiten, die man auf den ersten Blick übersieht, aber schnell zu schätzen lernt. So gibt es überall wichtige Icons und Symbole, die die Spieler an den richtigen Spielablauf erinnern, jedes Element hat seinen Platz und wirkt durchdacht.

Siegpunktleiste
Es gibt kein klassisches Spielbrett, aber eine Siegpunktleiste mit Rundenzähler

Insgesamt gelingt es dem Designer Wolfgang Warsch und dem Künstler Dennis Lohausen perfekt, die Atmosphäre eines spielerischen Tränkebrauens mit allerlei abstrusen Zutaten, viel Phantasie und einem Augenzwinkern umzusetzen. Spielmechanismus, Illustrationen und auch der (sicherlich ganz bewusst so ausgewählte) etwas umständliche Name mit Alliteration gehen dabei Hand in Hand.

Instagram-Eindrücke

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Langzeit­motivation garantiert

Dadurch, dass es viele verschiedene Zutatenbücher gibt, die die Effekte der Zutaten modifizieren, wird das Spiel auch für erfahrene Scharlatane nicht langweilig. “Wahrsagekarten” sorgen außerdem dafür, dass sich jede Runde eines Spieles etwas anders spielt, da sie die Spielbedingungen und Belohnungen beeinflussen. Man ist immer wieder auf der Suche nach der perfekten Kombination aus Zutaten, die alle verschiedene Effekte mit sich bringen.

Boxcover von Die Quacksalber von Quedlinburg - Erweiterung Die Kräuterhexen
© Schmidt Spiele

Mittlerweile sind auch schon zwei Erweiterungen mit den Namen Die Kräuterhexen und Die Alchemisten erschienen, die die Komplexität und damit auch Abwechslung noch etwas erhöhen sollten. Außerdem ist durch das erste Addon auch ein Spiel mit nun fünf Spieler*innen möglich.

Und sonst so?

Die Anleitung ist mit acht Seiten erfreulich kurz, funktioniert gut und lässt kaum Fragen offen. Zusätzlich gibt es noch einen “Almanach der Zutaten”, der die verschiedenen Modifikationen der Zutatenbücher auf die Chips beschreibt.

Verschiedene Zutatenbücher
Verschiedene Zutatenbücher

Neben der Erweiterung der Kräuterhexen gibt es für alle Hardcore-Fans auch noch eine Mini-Erweiterung, die in Form der von Frosted Games aufgelegten Goodie Box 2018 zusammen mit drei weiteren Addons erhältlich ist.

Die Quacksalber von Quedlinburg ist außerdem ein Spiel, welches durch die vielen kleinen und großen Teile einen großen Tisch voraussetzt. Auf dem Couchtisch kann es zu vier schnell sehr eng werden.

Das Kesseltableau aus der Nähe
Das Kesseltableau aus der Nähe

Fazit

Für einen Preis von derzeit um die 25 Euro* kann man bei diesem Spiel eigentlich nichts falsch machen. Spielen kann und sollte man auch erst ab zehn Jahren, aber ansonsten gibt es keine größere Einstiegshürde. Die Spielanleitung ist gut geschrieben, nicht sonderlich lang und das Spielprinzip selbst eingängig genug, um schnell losspielen zu können. Die vielen Plättchen und Tableaus setzen allerdings einen größeren Tisch und eine gute Beleuchtung voraus – also kein Spiel für einen Abend in der Bar.

Das Spiel ist dabei genau das geworden, was es sein wollte. Es ist kein Strategiehammer, aber ein gutes Familien– und leichteres Strategiespiel mit Glücksfaktor für fast jeden, welches lange Zeit Freude bereiten kann. Damit hat es sich als erstes Spiel in unserem Test überhaupt direkt die Auszeichnung “The Master Meeple” verdient. Herzlichen Glückwunsch!

Alle Bilder

Wertung "Die Quacksalber von Quedlinburg"

Spieldesign
Story & Atmosphäre
Grafikdesign
Spielmaterial
Spielspaß

Gut mit Sternchen

Boxcover von Die Quacksalber von Quedlinburg - Kennerspiel des Jahres 2018 Fazit: Großartiges Bag-Building-Spiel vom aktuellen All-Star-Autoren Wolfgang Warsch für Groß und Klein und verdienter Gewinner des Preises "Kennerspiel des Jahres".

  • Tolle Spielidee
  • Liebevoll gestaltetes Spiel­material
  • Viel Abwechslung
  • Hohe Langzeit­motivation
  • Gutes Preisleistungs­verhältnis
  • Glücks­faktor ist nicht jeder­manns Sache

Amazon*
User Rating: 4.67 ( 6 votes)

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