Spiele im­portieren – Das sollte man be­achten

Versand, Zoll, Kosten

Möchte man Spiele, Promos oder Zubehör aus dem Ausland importieren, kann es sehr schnell sehr teuer werden. Im besten Fall sind die Versandkosten etwas höher, oftmals können aber noch Zollgebühren anfallen, die eine vermeintliche Ersparnis beim Kauf schnell wieder relativieren. Also auch wenn Spiele im Ausland erst einmal günstiger zu sein scheinen, kann es am Ende dann doch teurer werden. Welche Kosten genau kommen auf Spieler*innen zu, wenn er/sie Spiele aus dem Ausland nach Deutschland importieren möchte? Und was muss man machen, wenn eine Sendung beim Zollamt liegt?

Be­stell­ungen innerhalb Euro­pas

Im günstigsten Fall bestellt man Spiele oder Zubehör, welches in Deutschland nicht verfügbar ist oder teurer als anderswo, im EU-Ausland. Da es sich dabei um einen einzigen großen Zollraum handelt, fallen logischerweise auch keine Zollgebühren an. Während die Versandkosten innerhalb Deutschlands aber meist zwischen fünf bis zehn Euro betragen (oder ganz vom Händler übernommen werden), Liegen die Versandkosten in der EU meist zwischen 10 und 20 Euro. Das ist aber in der Regel dann auch der einzige Kostenfaktor, der höher liegt. Ein größerer und beliebter Versandhändler ist beispielsweise Philibert aus Frankreich.

Dadurch, dass der Online-Handel in Europa mittlerweile recht einheitlich geregelt ist, hat man auch in allen Mitgliedsstaaten ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Aber auch hier gilt: In vielen Fällen muss man die Kosten für eine Rücksendung selbst tragen.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass das Vereinigte Königreich bald aller Voraussicht nach nicht mehr Teil der europäischen Zollunion sein wird. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels war dies zwar noch möglich, ab Ende 2020 wird es aber vermutlich anders aussehen. Auch für andere europäische Länder (wie die Schweiz), welche nicht Teil der EU sind, gelten natürlich die Regeln für einen Import, für den man Mehrwertsteuer und u.U. Zollgebeführen bezahlen muss, wenn der Wert der Ware (und des Portos) einen bestimmten Wert übersteigt.

Spiele von außer­halb der EU im­por­tieren

Möchte man Spiele von außerhalb der EU nach Deutschland importieren, gibt es deutlich mehr Punkte, die man dabei beachten muss. Liegt der Wert des Paketes bei bis zu 22 Euro, fallen keine Einfuhrabgaben an. Es gibt einige Ausnahmen wie Alkohol oder Kaffee. Da Brettspiele ohne diese Komponenten auskommen, verzichten wir auf eine detailreiche Differenzierung.

Liegt der Warenwert zwischen 22 und 150 Euro, fallen ebenfalls keine Zollgebühren an, man muss allerdings die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent bezahlen (entspricht also der Mehrwertsteuer). Diese 19 Prozent werden aus dem angegebenen Rechnungsbetrag PLUS der Portokosten berechnet (das ergibt den Warenwert).

Auch bei der Einfuhr einer Geschenksendung aus Ländern, die nicht der Europäischen Union angehören, sind Einfuhrabgaben zu bezahlen.

Darstellung anfallende Kosten bei Warenimport nach Deutschland
Darstellung anfallende Kosten bei Warenimport nach Deutschland.
© Zoll.de

Weitere Frei­grenzen

  • Allerdings werden Abgaben in einer Höhe von weniger als 5 Euro nicht erhoben.
  • Bei Sendungen von Privat an Privat sind Sendungen bis 45 Euro einfuhrabgabenfrei, aber nur, wenn es sich um gelegentliche, nicht-kommerzielle Sendungen handelt.

Liegt der Warenwert bei über 150 Euro, fallen zusätzlich noch Zollgebühren an. Das kann nicht nur schnell relativ teuer, sondern auch ganz schön unübersichtlich werden.

  • Zum Glück fallen nicht auf alle Produktkategorien diese Gebühren an und Gesellschaftsspiele sind in der Tat auch davon ausgenommen.
  • Aber, und hier kommt tatsächlich noch ein ärgerliches Aber, Kunststofffiguren zum Spielen haben einen Zollsatz von 4.7 % und Spielkarten 2,7 %.
  • Wenn man also lediglich Plastikminis oder Spielkarten importiert, kann eine Zollgebühr anfallen.

Bei einem Wert von 200 Euro und Versandkosten von 15 Euro fällt also eine Einfuhrumsatzsteuer von 40,85 Euro an. Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 reduziert sich auch die Einfuhrumsatzsteuer von 19 bzw. 7 auf 16 bzw. 5 Prozent. Wenn Zollgebühren anfallen, dann muss man diese noch vor der Umsatzsteuer einrechnen:

Beispiel Verzollung
Beispiel Verzollung
© Zoll.de

Die Höhe jeder Abgabenart (also Einfuhrumsatzsteuer, Zollgebühren und weitere Steuern) werden also einzeln berechnet, wobei die Einfuhrumsatzsteuer als letztes berechnet wird und alle vorherigen Abgaben in die Rechnung miteinbezogen werden. Da für Brettspiele selbst aber aktuell keine Zollgebühren und weitere Steuern anfallen, kann man wohl immer mit 19% (Einfuhr-)Umsatzsteuer arbeiten, wenn der Warenwert über 22 Euro liegt. Dabei dürft ihr allerdings das Porto nicht vergessen, das für den Zoll Teil des Warenwertes ist.

Das Zollamt

Auch wenn Zollgebühren anfallen, das Zollamt sonst aber keine Beanstandungen hat (sowohl eine korrekte Handelsrechnung als auch eine vollständige Zollinhaltserklärung müssen enthalten und glaubwürdig sein), kann eine Sendung direkt an den Adressaten zugestellt werden. Das Geld zahlt man dann direkt an den Paketboten.

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass das nur selten der Fall ist. Fällt auf eine Sendung eine Abgabe an, kann man fast sicher davon ausgehen, dass man zum Zollamt muss.

Wenn ein Paket beim Zollamt liegt, müsst ihr Folgendes beachten:

  • Briefsendungen werden sieben Tage und Pakete 14 Tage beim Zollamt gelagert und danach zurückgeschickt.
  • Die Lagerung von Sendungen bei der Zollstelle ist kostenpflichtig – ab einer Lagerdauer von zehn Tagen werden Lagerkosten in Höhe von mindestens fünf Euro fällig.

Ihr habt nun folgende Möglichkeiten:

  • Abholung beim Zollamt
  • Postabfertigung von zu Hause
  • Nachträgliche Postverzollung
  • Verweigerung der Annahme

Abholung beim Zollamt

Für die Abholung beim Zollamt braucht ihr folgende Unterlagen:

  • Benachrichtigungskarte (von DHL)
  • Ausdruck der Rechnung bzw. Zahlungsnachweis, wichtig ist, dass die vollständigen Kosten inklusive Porto enthalten sind.
  • Wenn jemand anders die Sendung abholen soll, dann braucht ihr noch eine unterschriebene Vollmacht.

Post­abfertigung von zu Hause

Seit Kurzem (1. Februar 2020) können Sendungen mit einem Wert von bis zu 1.000 Euro von zu Hause aus abgefertigt werden, ohne dass man persönlich erscheinen muss. Nun könnt ihr euch beim zuständigen Zollamt melden, dass euch eine Erklärung zusendet, die ihr zusammen mit den fehlenden Unterlagen (wie Rechnung) zurückschicken müsst.

Nach Abfertigung und evtl. Zahlung wird die Sendung an euch verschickt. Allerdings müsst ihr dafür noch einmal eine Postwertmarke an das Zollamt schicken. Ihr müsst außerdem darauf achten, dass ihr die Lagerfrist nicht verpasst. Denn diese läuft, sobald die Sendung beim Zoll ankommt. Bis man eine Benachrichtigungskarte erhält, können schon mal ein paar Tage vergehen.

Wirklich unkompliziert scheint dieser Weg also nicht zu sein. Wir konnten ihn leider selbst auch noch nicht testen, da er relativ neu ist. Sobald wir mehr wissen, werden wir dies hier ergänzen.

Ein Lieferwagen von DHL
Manchmal kann es lange dauern, bis der Paketbote wirklich klingelt…

Nach­trägliche Post­verzollung

Etwas komfortabler ist da schon die nachträgliche Postverzollung. Zusammen mit der Benachrichtigungskarte erhaltet ihr auch ein Schreiben, dass ihr zusammen mit den fehlenden Unterlagen ans Zollamt schicken könnt.

Der Service kostet allerdings 28,50 Euro, die ihr zusätzlich zu anfallenden Zollabgaben bezahlen müsst. Dann wird euch die Sendung aber auch direkt zugestellt.

Ver­wei­ger­ung der An­nahme

Ihr könnt dem Zollamt auch mitteilen, dass ihr die Annahme verweigern möchtet. Dann wird die Sendung an den Absender zurückgeschickt, ohne dass für euch weitere Kosten anfallen.

Jenseits des Geldes

Mal vom schnöden Mammon abgesehen, bedeutet der Import von Spielen auch immer, dass man viel Geduld haben muss. Die Sendungsverfolgung funktioniert international meist nicht gut, das Paket liegt gefühlte Ewigkeiten beim Zoll, bevor man eine Benachrichtigung erhält, auch die Postverzollung dauert lange, und im schlimmsten Fall geht eine Sendung auch mal verloren.

Man sollte Spiele im Speziellen und alle Waren im Allgemeinen also nur importieren, wenn man bereit ist, lange zu warten und den Verlust der Sendung finanziell auch verkraften kann. Man mag zwar viel über deutsche Versandunternehmen wie DHL schimpfen, aber international ist es noch deutlich schlechter.

Wichtige Punkte Import von Spielen

Hier noch einmal ein Überblick über alle wichtigen Punkte, die man beim Importieren von Waren aus dem Nicht-EU-Ausland beachten sollte, bevor es eine böse Überraschung gibt:

Wichtige Aspekte beim Importieren von Spielen und anderen Waren

  • Höhere Portokosten
  • Evtl. anfallende Zollgebühren
  • Anfahrt zum Zollamt (Zeit und Kosten)
  • oder Postverzollung
  • Lange Wartezeit
  • Möglicher Verlust der Sendung
  • Internationaler Versand nicht immer möglich

Neben den ganz direkt anfallenden Kosten sollte man bei einer Verzollung außerdem beachten, dass Zollämter in der Regel nicht sehr zentral gelegen sind, was weitere Aufwendungen in Form von Geld und Zeit bedeuten kann. In Berlin gibt es so lediglich ein Zollamt, welches im Süden der Stadt liegt und für Bewohner von des Wedding oder Prenzlauer Berges schnell zu einem Tagesausflug werden kann, vor allem, wenn die Warteschlange wieder einmal sehr lang ist.

Amazon, Kick­starter und Ebay

Zoll Amazon
Amazon USA berechnet Import-Gebühren schon bei der Bestellung, so spart man sich später den Weg zum Zollamt.

Bestellt man bei Amazon USA oder Ebay bei einem internationalen Händler, ist der Vorgang meistens deutlich einfacher. Die beiden Unternehmen berechnen und erheben die Abgaben schon bei der Bestellung, sodass die Sendungen direkt zugestellt werden können und man später nicht mehr extra zum Zollamt fahren muss. Praktisch.

Versand per inter­natio­nalem Versand­unter­nehmen

Bestellt man ein Produkt aus dem Ausland, wird man schnell feststellen, dass Portokosten für internationale Wege sehr, sehr hoch sind. Nicht selten kommt es außerdem vor, dass Händler gar nicht erst nach Deutschland versenden.

Möchte man aus etwas in den USA bestellen, aber der Händler selbst liefert nicht nach Deutschland, kann man auf Versandunternehmen wie Vyking Ship zurückgreifen. Diese stellen den Nutzern eine US-Adresse zu Verfügung (eigener Name plus Anschrift des Unternehmens), an die man Bestellungen verschicken lassen kann. Ist das Paket angekommen, wird man darüber benachrichtigt und kann dieses nun nach Deutschland schicken lassen. Vorher kann man noch verschiedene Services in Anspruch nehmen, wie beispielsweise zwei Pakete in einen Karton packen zu lassen.

Außerdem muss man noch den Warenwert deklarieren. Als Kosten bezahlt man dann zum einen natürlich den Versand (der schnell über 50 Euro liegen kann). Zusatzdienstleistungen kosten außerdem meistens zusätzliches Geld. Es gibt sicherlich noch viele weitere Versandunternehmen (wie MyUS), ich habe allerdings nur mit Vyking Erfahrungen gesammelt und bin zufrieden mit dem Händler, da auch der Support sehr solide ist.

Und was ist mit Kick­starter?

Wenn ihr ein Spiel auf Kickstarter unterstützt habt, dann kommt es bei den eventuell anfallenden Kosten darauf an, welche Angaben der Verlag genau macht.

EU-friendly Shipping
Dieses Logo bedeutet in der Regel, dass ihr keine Zollgebühren und keine Einfuhrumsatzsteuer bezahlen müsst – aber nicht immer.

Zum einen sollte man darauf achten, dass der Versand als “EU-friendly” bezeichnet wird. Das heißt, dass die Sendung direkt an euch zugestellt wird und nicht beim Zoll landet. In der Regel ist es auch (noch?) so, dass ihr auch keine Einfuhrumsatzsteuer bezahlen müsst.

Allerdings ist dies nicht immer der Fall. Immer mehr Kampagnenersteller berechnen nach der Kampagne noch einmal 19% Umsatzsteuer, die ihr ebenfalls bezahlen müsst. Diese Informationen solltet ihr in der Beschreibung der Kampagne finden können.

Bis vor Kurzem hatten die meisten Hersteller darauf verzichtet und die Umsatzsteuer entweder selbst bezahlt – oder eventuell unbewusst gegen geltendes Recht verstoßen. So oder so, der Trend geht hin zum Einsammeln der Umsatzsteuer nach der Kampagne in einem Pledge Manager direkt vom “Käufer”.

Auch wenn wir die Angaben unter großer Sorgfalt zusammengetragen haben, können wir für die Korrektheit keine Garantie übernehmen. Alle Informationen also unter Gewähr.

Habt ihr schon einmal ein Spiel aus dem Nicht-EU-Ausland importiert? Was sind eure Erfahrungen?
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Quelle
Zoll.de
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